Kicker, Kult und Co.

Kicker, Kult und Co.

Grußwort von Jörg Schmadtke

Sehr geehrte Damen und Herren,

Religion und Fußball – auf den ersten Blick zwei völlig verschiedene Dinge, die jedoch beim zweiten Hinschauen einiges gemeinsam haben. Beide haben einen wichtigen sozialen Einfluss, der unabhängig von Alter und Herkunft viele Menschen verbindet.

Das spiegelt auch die gelegentlich benutzte Übersetzung des Wortes „Religion“ wider, die oftmals als „Rückbindung“ übersetzt wird. Auch der Fußball spannt ein unsichtbares Band zwischen Fans und Verein. Jedes Wochenende füllen Hunderttausende die Stadien, feiern den Sieg ihrer Mannschaft oder bedauern die Niederlage ihres Teams. Trotz aller Enttäuschungen und Unzufriedenheiten bleiben die meisten von ihnen dem Verein ihr Leben lang treu. Auch Gläubige stehen in schlechten Zeiten zu ihrer Religion, brauchen ihre Unterstützung gerade in diesen Momenten. Sozusagen Stressbewältigung im Stadion- und Kirchenrund.
Für einige Fans ist Fußball mehr als nur eine Sportart, er gilt als eine Art „Ersatzreligion“. Anhänger pilgern in diesem Fall nicht in die Kirche, sondern ins Stadion, glauben an jenem Tag nicht an Gott, sondern an ihre Mannschaft. Die wohl bekannteste Verbindung zwischen Fußball und Religion hat Argentiniens ehemaliger Nationalspieler Diego Maradona hergestellt, als er im WM-Viertelfinale 1986 gegen England ein irreguläres Tor erzielte und später im Interview von der legendären „Hand Gottes“ sprach. Ausrede oder Glaube?
Zum Abschluss ein Satz, den der Theologe Friedrich Schleiermacher bereits 1799 geschrieben hat, der aber heute noch auf den Sport übertragbar ist: „Religion ist nicht Methaphysik und Moral, sondern Anschauen und Gefühl.“
Wenn das nicht auf den Fußball zutrifft...

In diesem Sinne sportliche Grüße aus Hannover

Ihr Jörg Schmadtke
Sportdirektor Hannover 96

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