Kicker, Kult und Co.

Kicker, Kult und Co.

Grußwort von Grafite

Ich freue mich sehr, dass ich die Schirmherrschaft über Ihre exzellente Ausstellung übernehmen durfte. Das Thema bewegt mich sehr: sowohl der Fußball wie auch die Religion. Neben meiner Familie sind dies die zentralen Angelpunkte in meinem Leben. Vor jedem Spiel bete ich, aber auch vor jedem neuen, was in meinem Leben passiert, also täglich, Gott ist der Begleiter all meiner Schritte oder wie es im Psalm 91 heißt: "Du bist meine Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue."

Von Kindesbeinen an habe ich diese Erfahrung gemacht. Ebenso im Fußball, in Deutschland sagt man Straßenfußballer, im wahrsten Sinne des Wortes, jede freie Minute haben wir gekickt. Und es war mein großer Traum, einmal ein großer Fußballer zu werden, dass ist mir geglückt, mit Gottes Hilfe. Aber Fußball ist für mich keine Religion, deshalb ist das auch Blödsinn mit dem Fußballgott, es gibt nur einen Gott und der hat mit Fußball nichts zu tun. Ich bete auch nicht dafür, dass wir gewinnen, sondern darum, dass alles, was ich tue, gut ausgeht, dass meine Mit- und auch Gegenspieler, wie auch ich selbst, ein Spiel gesund zu Ende bringen.
In diesem Sinn möchte ich Vorbild sein, gerade auch für junge Menschen, und ihnen sagen, sucht danach, dass Euer Leben einen Sinn findet, Fußball ist niemals Sinn des Lebens, aber die schönste Nebensache der Welt.

Es ist schon ein erhabenes Gefühl, in das Stadion einzulaufen, aber noch erhabener ist es, in die Gesichter der Menschen zu schauen, zu sehen, wie Kinder sich freuen, wie Jugendliche sich begeistern lassen, wie Erwachsene in Stimmung geraten. Fußball und Religion kann ich schon aufeinander beziehen, vielleicht kann auch das eine Thema vom anderen lernen. Wäre es nicht fantastisch, wenn wir begeisterter Gottesdienst feiern würden, der Lobpreis Gottes in den Kirchen müsste eigentlich doch lauter erklingen als die Fangesänge im Stadion.

Der Fußball zeigt auch, dass ein Spiel sich nur in Regeln und deren Beachtung entfalten lässt. Wie gut täte es unserer Gesellschaft, wieder stärker nach ethischen Grundsätzen zu handeln und zu leben. "11 Freunde müsst ihr sein" - zu mindestens eine Mannschaft, eine Gemeinschaft, die ein Ziel verfolgt, und dem Erreichen dieses Zieles vieles unterordnet. Die Ziele des Evangeliums Jesu sehe ich in unseren Kirchen nicht immer im Vordergrund, auch der Gemeinschaftssinn ist in unseren Gottesdiensten so wenig spürbar.
Umgehrt könnte der Fußball lernen, wie Versöhnung geht, gerade nach aufgeheizten Spielen, wie man ohne Gewalt begeistert sein kann, das es Stärken und Schwächen gibt, das Erfolg nicht alles ist, und wie es geht mit dem persönlichen Scheitern umzugehen. Gerade Jesus Christus hat uns gezeigt, dass wir so wie wir sind, alle von ihm geliebt sind, ohne Ansehen von Person, Geschlecht, Herkunft und Religion. Wer in den Favelas groß geworden ist, weiß, wovon er spricht.

Was Religion und Fußball gemein haben, heißt es im Untertitel zur Sonderausstellung: Beide lösen eine gewisse Faszination aus, der Fußball trägt uns durch die Spieltage und durch die Saison, der Glaube durch das Leben, über den Tod hinaus. Ich bin begeistert von der Konzeption Ihrer Ausstellung und wünsche Ihnen Gottes Segen und viel Erfolg, getreu eines Satzes von Schiedsrichter Dr. Markus Merk: das Kreuzzeichen ist mein ganz persönlicher Anpfiff, Ausdruck meines Glaubens, der mir Kraft gibt.

Dem VFL Osnabrück gratuliere ich zum 111. Jubiläum und drücke die Daumen für den Aufstieg in die 2. Fußballbundesliga.

Ihr Grafite

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